ING-Studie: Verbraucher mehrheitlich kritisch gegenüber Bitcoin – WELT

Mehr als zehn Jahre ist der Bitcoin jetzt im Verkehr, doch als Zahlungsmittel kommt das digitale Geld hierzulande für kaum jemanden in Betracht. Zwar werden weltweit täglich mehr als 300.000 Transaktionen über das Bitcoin-Netzwerk abgewickelt, doch die meisten davon dienen der Geldanlage oder der Spekulation.

Das ist weltweit so und dürfte auch in Deutschland nicht anders sein. Gesicherte Zahlen sind wegen der Anonymität der dezentralen Blockchain-Technik zwar schwierig zu erhalten. Doch allein die Zahl der Akzeptanzstellen spricht eine deutliche Sprache, verglichen mit der von Giro- und Kreditkarten ist die nämlich weiter verschwindend gering.

Neben sehr viel Regulierung sorgt die Marktmacht der Kreditinstitute und Kartenkonzerne dafür, dass Bitcoin kaum einen Fuß auf den Boden bekommt. Die Vorstöße des Plattform-Konzerns Facebook, ein eigenes digitales Geld namens Libra einzuführen, werden von Notenbanken und Finanzaufsehern derzeit massiv ausgebremst. Die staatlichen Kontrolleure führen Sorgen um die Finanzstabilität und den Verbraucherschutz an.

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Doch auch die Mehrheit der Konsumenten kann sich keineswegs für Bitcoin, Libra und ihresgleichen erwärmen. Das zeigt jetzt eine repräsentative Umfrage der Bank ING, die WELT vorab vorlag. Demnach gehen weniger als ein Drittel der Europäer davon aus, dass Kryptowährungen bald regelmäßig verwendet werden, um Dinge zu kaufen.

In Deutschland ist die Skepsis gegenüber dem Anarcho-Geld aus dem Internet noch deutlich größer: Hier sind nur ein Viertel der Menschen davon überzeugt, dass wir unsere Käufe im Netz künftig mit Bitcoin & Co. abwickeln. Allerdings lassen sich klare Unterschiede zwischen den Generationen beobachten: Jüngere Konsumenten geben sich deutlich aufgeschlossener als ältere, auch in der Bundesrepublik, wo Bitcoin in vieler Hinsicht auf den größten Argwohn trifft.

Hohe Ablehnung wegen geringem Interesse

Die ING befragte Verbraucher in 15 Industrieländern, davon 13 in Europa. Aufschlussreich war auch dieses Ergebnis: Viele halten Abstand von digitalen Währungen, weil sie schlicht nicht verstehen, wie Bitcoin & Co. funktionieren. „Die Ablehnung von Kryptowährungen könnte auf geringes Wissen über sie zurückzuführen sein“, schlussfolgert Carsten Brzeski, Chefökonom von ING Deutschland.

Befragte mit moderatem Wissen bewerteten die digitalen Münzen deutlich positiver. Aber: Konsumenten, die von sich selber denken, sie hätten tiefere Einblicke in die Materie, äußern sich wiederum etwas skeptischer. Dennoch gilt: „Gut denkbar, dass die Skepsis gegenüber digitalem Geld mit mangelndem Wissen zu tun hat – nur ein Viertel der Befragten konnte mindestens vier von fünf Fragen zu Kryptowährungen richtig beantworten“, erklärt Brzeski.

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Allerdings unterscheidet sich die Einstellungen gegenüber Bitcoin & Co. über die Generationen hinweg stärker als der Kenntnisstand. Ein immer wiederkehrendes Muster: Die junge Generation ist aufgeschlossener, auch wenn ihr Verständnis der technischen Hintergründe gar nicht so viel größer ist als bei den älteren Semestern. „Es ist nicht zwangsläufig eine größere Vertrautheit mit neuen Technologien, sondern eher eine größere Offenheit dafür, die bei jüngeren Befragten für positivere Einstellungen zu digitalem Geld sorgt.“ Auch hierzulande sind die Jungen eher bereit, virtuelle Münzen zu nutzen, als die Älteren.

Für die internationale Studie führte das Meinungsforschungsinstitut Ipsos in Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich, Polen, Rumänien, Spanien, der Tschechischen Republik, der Türkei sowie Australien und den USA je 1000 Befragungen durch. Immer wieder kristallisierte sich heraus, dass die Berührungsängste in zwei Ländern besonders ausgeprägt sind: Österreich und Deutschland. In der Mitte Europas hegt nur ein kleiner Teil der Befragten den Wunsch, dass Banken Zahlungsverkehrskonten in Kryptowährungen anbieten.

Skepsis ist systemimmanent

Das ist auf gewisse Weise nur konsequent, denn der Bitcoin wurde ursprünglich nach der Finanzkrise als Alternative zum konventionellen Geld ins Leben gerufen. Anders als im konventionellen System, in dem Geldschöpfung und Zahlungsverkehr durch Geschäftsbanken erfolgen und von Zentralbanken kontrolliert werden, entstehen Kryptowährungen dezentral. Sie werden auf Tausenden miteinander vernetzten Computern geschürft. Diese dezentrale Organisation sollen Bitcoin & Co. unabhängig vom Vertrauen in die Banken machen.

Einiges von der Skepsis ist allerdings auch systemimmanent. „Die geringe Akzeptanz liegt aus meiner Sicht vor allem darin begründet, dass nur wenige Menschen mit Bitcoins und anderen Kryptowährungen bezahlen wollen“, sagt Oliver Flaskämper, Geschäftsführer des führenden deutschen Handelsplatzes Bitcoin.de. Da die Menge der Bitcoin auf 21 Millionen Einheiten begrenzt ist, seien die Münzen ein seltenes, deflationäres Gut, vergleichbar mit Gold. „Dieses rare Gut wird man ungern zum Bezahlen hergegeben, wenn man alternative Zahlungsmittel zur Verfügung hat.“ Flaskämper berichtet von Bekannten, die Bitcoins mal vor einigen Jahren zum Bezahlen genutzt haben und sich heute extrem ärgern. Mit Wechselkursen von aktuelle knapp unter 8000 Euro für einen Bitcoin hat die Kryptowährung extrem an Wert gewonnen.

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Die geringe Zahl der Bitcoin-Geldautomaten in Deutschland, wo Verbraucher ihr Bares gegen virtuelle Münzen tauschen können, hat allerdings auch mit der strengen Regulierung zu tun. „Die regulatorischen Auflagen für den Betrieb von Geldautomaten für Kryptowährungen sind in Deutschland im Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn sehr hoch.“ Bisher gebe es noch keine Automaten, die von Unternehmen mit einer Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) betrieben werden.

Die wenigen Automaten, die in Deutschland von Bitcoin-Fans ohne BaFin-Erlaubnis aufgestellt wurden, würden auf Grundlage eines aus der Sicht der BaFin und Bundesregierung falschen Urteils des Berliner Kammergerichts betrieben. „Diese Regulierungslücke wird sehr wahrscheinlich durch einen aktuell im Bundestag diskutierten Gesetzentwurf zum 01.01. 2020 geschlossen sein, so dass die aktuellen ‚Grauzonen-Automaten’ dann definitiv illegal und der Weiterbetrieb eine Straftat wäre“, sagt Flaskämper.

Bitcoin.de plant, im ersten Quartal 2019 den ersten Bitcoin-Geldautomaten auf Basis der neuen Gesetzgebung aufzustellen. In anderen Ländern wie den USA sind teilweise bereits Hunderte Bitcoin-ATM im Einsatz.

Zur Verfügung gestellt von: https://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article203443910/ING-Studie-Verbraucher-mehrheitlich-kritisch-gegenueber-Bitcoin.html