Anti-Bitcoin: Chinas Blockchain-Pläne im digitalen Wettrüsten – BTC-ECHO Bitcoin & Blockchain Pioneers

Bitcoin News aus China neigen dazu, in der Krypto-Community für Aufhorchen zu sorgen: So hat etwa die Aussage des Präsidenten der Kommunistischen Partei Xi Jinping am 25. Oktober zu Chinas Blockchain-Plänen einen Bitcoin-Kurs-Anstieg von über 30 Prozent an manchen Börsen ausgelöst. Obwohl von der Kryptowährung selbst nicht die Rede war, reichte die Nachricht aus, um für Tumulte im Blockchain-Sektor zu sorgen. Aktuell macht eine Meldung die Runde, die etwas Licht auf die Blockchain-Pläne des Landes wirft.

So titelte die Lokalzeitung Xinhua Daily News am Montag, den 11. November: „Bitcoin: Die erste erfolgreiche Anwendung der Blockchain-Technologie“. Der Artikel beginnt mit einer relativ nüchternen, jedoch technisch teilweise inkorrekten Beschreibung des Bitcoin-Netwerkes. So verweist der Verfasser etwa auf die vermeintliche Anonymität der Kryptowährung. Diese ermögliche die Verwendung von Bitcoin als „DarkNet-Währung“ und als Geldwäscheinstrument:

Derzeit sind Schwarzmarkt-Transaktionen und Transaktionen im DarkNet die wichtigsten Verwendungszwecke von Bitcoin-Zahlungen.

Betrachtet man die Blockchain-Pläne der chinesischen Regierung, verdeutlicht sich die strategische Ausrichtung des Zeitungsartikels.

Die chinesische digitale Zentralbankenwährung – der Anti-Bitcoin

Die Regierung in China plant seit geraumer Zeit, eine digitale Ausgabe der Staatswährung herauszugeben. In Zusammenarbeit mit der Zentralbank des Landes will die Kommunistische Partei den E-Yuan auf Blockchain-Basis herausgeben. Die Digitalisierung des Bargeldes soll dieses nicht nur abschaffen, sondern ihm durch kontrollierte Knotenpunkte im Netzwerk ein Kontroll-Element hinzufügen.

Während die Kontrolle bei der Bitcoin Blockchain im Sinne der Dezentralität bei Teilnehmern rund um den Globus liegt, ist die Kontrolle der Nodes beim E-Yuan für die chinesische Regierung vorgesehen. China schafft damit den Anti-Bitcoin: Digitales Zentralbankengeld, kontrolliert und überwacht von einer Regierung.

Die Verwendung einer Blockchain als Grundlage für den E-Yuan hätte zudem einen weiteren entscheidenden Vorteil für die chinesische Regierung – Mittelsmänner auszuschalten. Die Verwendung eines dezentralen Registers mit staatlich kontrollierten Netzwerkknoten würde die Macht gänzlich weg von Banken in die Hände der Regierung spielen. Damit würde sich China nicht nur einen immensen Wettbewerbsvorteil schaffen, sondern zugleich über eine trackbare Währung verfügen.

Nach bisherigen Informationen würde der E-Yuan von der chinesischen Zentralbank ausgegeben und an Banken und Unternehmen weitergegeben. Bürger bekämen eine App, mit der sie ihren E-Yuan verwalten können.

Chinesische Zentralbank will „kontrollierbare Anonymität“

Wie Bloomberg am 13. November zudem berichtet, hat Mu Changchun, der Vizepräsident der People’s Bank of China, verlauten lassen, dass man mit der kommenden chinesischen Zentralbankenwährung eine „kontrollierbare Anonymität“ der Finanzflüsse erreichen wolle. Demnach wolle man jedoch keine „komplette Kontrolle der Informationen über die Öffentlichkeit“. Bei Menschen, die Anonymität bei ihren Transaktionen wollen, sei es dennoch wichtig, Anti-Geldwäsche- und Anti-Terror-Richtlinien einzuhalten.

Das deckt sich mit den aktuellen Blockchain-Plänen von Chinas regierungsnahem Technologie-Giganten Alibaba. Dessen Tochterunternehmen Ant Financial arbeitet an einer Blockchain-Plattform für Unternehmen. Wie Sina Finance am 12. November berichtet hat, gab das Unternehmen der Entwicklung bei der World Blockchain Summit im chinesischen Whuzen die Entwicklung der Unternehmens-Blockchain bekannt. Die Plattform ist auf Unternehmen ausgerichtet, um deren Geschäftsfelder zu optimieren. Wie man jedoch weiteren Medienberichten entnehmen kann, handelt es sich hierbei keinesfalls um eine öffentliche Blockchain wie etwa Bitcoin. Vielmehr achte man darauf, die Kontrolle über die Netzwerkknoten nur bestimmten Parteien zu überlassen. Diese sollen dann ausgewählt werden, je nach Unternehmenszweig und -Ausrichtung.

Hongkong –Kryptowährungen im politischen Minenfeld

Unterdessen eskalieren die Gewalt-Proteste im chinesischen Sonderregierungsbezirk Hongkong weiter, wo sich Studenten gegen die politische Situation und die Kommunistische Partei wehren. Wie Cryptosint berichtet, nutzen Protestierende hier zunehmend Kryptowährungen, um Proteste zu organisieren. So sei etwa die HKmap.live durch Spenden in Bitcoin & Co. finanziert worden – eine App, die dabei hilft, die Standorte von Polizei und Demonstrierenden zu tracken. Dazu zitiert das Krypto-Magazin einen Mitentwickler der App:

Die Ungerechtigkeit in Hongkong zwang uns, anonym zu bleiben. Die Pseudoanonymität von Kryptowährungen trug dazu bei, Risiken zu minimieren und schützt uns und unsere Nutzer. Viele Leute denken, dass Krypto gleich Böses ist, aber ich denke nicht, dass das fair ist. Zweifellos gibt es schreckliche Aktivitäten, die von Bitcoins finanziert werden, aber [das Gleiche kann man über] Bargeld sagen.

Es gibt Organisationen, die für einen guten Zweck kämpfen, die wirklich die Anonymität und die dezentralen Funktionen von Kryptowährungen benötigen – HKmap ist eine davon. Die Finanzierung von regierungsfeindlichen Bewegungen in einem repressiven Regime ist schließlich gefährlich, da die Legalität von der Regierung definiert wird.

Dahinehend sieht der HKmap-Entwickler die Blockchain-Pläne der chinesischen Regierung kritisch und bezeichnet sie als „transparentes Überwachungs-Tool“. Demgegenüber stehen private Kryptowährungen wie Monero (XMR) und ZCash (ZCH), die den Protestierenden aufgrund ihrer Anonymität in die Hände spielen. Allerdings sei es nach wie vor schwierig, in Hongkong an Kryptowährungen zu kommen.

Chinas Anti-Bitcoin und digitale Zentralbankenwährungen

Die geplante chinesische Zentralbankenwährung nimmt außerdem eine zentrale Rolle im internationalen digitalen Wettrüsten ein. Vor allem im Handelskrieg mit den USA kann der E-Yuan dazu dienen, US-Sanktionen zu umgehen. Ferner soll er China nicht zuletzt durch seine Verfügbarkeit einen Wettbewerbsvorteil im internationalen Handel verschaffen. In diesem Kontext muss man auch die aktuelle Meldung der chinesischen Lokalausgabe der Staatszeitung Xinhuan sehen – Bitcoin wird hier als „erste erfolgreiche Blockchain-Anwendung“ inszeniert, die es im Sinne der Kommunistischen Partei zu optimieren gilt. Als Anti-Bitcoin is der E-Yuan der komplette Gegenentwurf im Sinne der Regierung Chinas.

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